Erst 10 und schon aussortiert?

Bildung

SPD-Konzept zur Gemeinschaftsschule diskutiert

G8, R6, Quali, M-Klassen, Mittelschule, zwei- oder dreigliedriges Schulsystem – bei den vielen Schlagworten verliert man fast den Überblick, fragte der SPD-Kreisvorsitzeder Dr. Bernd Vilsmeier den Bildungsexperten und SPD-Landtagsabgeordneten Martin Güll aus Dachau am Rande des SPD-Landesparteitages über die Reform, der Reform, der Reform im Bildungssystem.
Der Übertritt auf die weiterführenden Schulen in Bayern ist eng mit Druck, Versagensängsten, Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls der Kinder und Verlust der Lernmotivation verbunden. Die Erfahrung der Kinder: Wer Fehler macht, bleibt auf der Strecke. Schon eine „Drei“ in einer Probe löst eine psychische Krise aus. Die Angst vor der Schule beginnt, erklärte Martin Güll MdL, der selbst Hauptschullehrer und Leiter einer Hauptschule war.

Schon seit ihrer Gründung vor fast 150 Jahren setzt sich die SPD für gleiche Bildungschancen für alle Menschen ein. Das dreigliedrige Schulsystem in Bayern wird diesem Anspruch schon lange nicht mehr gerecht, das haben jetzt sogar unionsgeführte Länder festgestellt, so der SPD-Kreisvorsitzende Bernd Vilsmeier. Denn nun will sogar die CDU das dreigliedrige Schulsystem abschaffen. Deshalb sind in Zukunft integrative Schulen, wie es das SPD-Konzept zur Gemeinschaftsschule beinhaltet, notwendig, damit Schülerinnen und Schüler länger gemeinsam lernen können. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung der individuellen Fähigkeiten, erläuterte Martin Güll.
Die negativen Konsequenzen liegen auf der Hand: Stures Auswendiglernen statt kreative Neugier. Nachhilfe boomt schon in der Grundschule – und ersetzt selbstständiges Entwickeln und Lernen. Viele Eltern können sich die – leider notwendige – Nachhilfe auch gar nicht leisten, so Güll weiter. 9- oder 10-jährige Kinder schon in Schubladen zu verteilen, ist weder kindgerecht noch pädagogisch sinnvoll. Dazu kommt, sagte Dr. Vilsmeier, Bayern ist ein Flächenland. Nicht in jeder Gemeinde sind Realschulen und Gymnasien vorhanden. Weite Schulwege und lange Busfahrten sind die Folge. Für die meisten Kinder aber ist Busfahren nicht lustig. Oft müssen sie in überfüllten Bussen ohne eigenen Sitzplatz viele Kilometer im Stehen verbringen, ergänzte Güll. Wer in Bayern ein besseres Schulangebot will, muss oft zwei Stunden Schulweg hin und zurück in Kauf nehmen. Und das wird auch durch die Mittelschulen mit ihren Schulverbünden nicht besser. Der Schülertourismus wird weiter zunehmen.
Fakt ist, aber: Bildung ist ein entscheidender Standortfaktor für eine Gemeinde, so Vilsmeier. Junge Eltern siedeln sich lieber in Orten an, die über gute Betreuungs- und Bildungsangebote verfügen. Betriebe haben großes Interesse an qualifiziertem Nachwuchs. Deshalb bietet das SPD-Konzept für die Gemeinschaftsschulen ein wichtiges Angebot, erklärt Güll weiter, weil sie die Jugend am Ort halten kann. Mit der Gemeinschaftsschule schaffen wir gleiche Bildungschancen für alle – egal wie dick der Geldbeutel der Eltern ist. Die Gemeinschaftsschule ist als Ganztagsschule geplant, in der die Hausaufgaben und die Nachhilfe erledigt werden. Das hilft vor allem den Kindern, denen es zu Hause an Unterstützung mangelt. Schule ist mehr als ein Lernort. In der Gemeinschaftsschule gibt es Instrumente, die die Kinder lernen können, es gibt Sportangebote und – immer wichtiger heute – ein gesundes Mittagessen.
Um das interessante Konzept zur Gemeinschaftsschule vorstellen und ausführlich diskutieren zu können, lädt SPD-Kreisvorsitzender Bernd Vilsmeier Martin Güll MdL herzlich in den Landkreis Dingolfing-Landau ein. Am 20. Juli wird Martin Güll das Konzept im Vilstaler Hof in Rottersdorf um 20.00 Uhr vorstellen und mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutieren.

 
 

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